Über Undine
„Nach Paracelsus handelt es sich um ein Elementarwesen, welches der mythologischen Gattung Nymphe angehört und das Element Wasser verkörpert. Nach ihm kann sie gewöhnlich in Waldseen oder Wasserfällen entdeckt werden. Undinen bzw. Wassernymphen im Allgemeinen haben, wie etwa Sirenen, bezaubernde Stimmen, welche gelegentlich über dem Wasser vernommen werden können. Meist treten sie als dienende Begleiterinnen von Göttern in Erscheinung. Seenymphen ertränken ihre Geliebten (z. B. Quellnymphen Herkules’ Liebling Hylas). Sie ziehen sich aber selbstständig ins Wasser zurück, wenn man sie in einem Boot auf einem beliebigen Gewässer erzürnt, welche daraufhin auch nicht mehr aus eigener Kraft auf das Land zurückkehren kann. Der gleiche Effekt wird auch erzielt, wenn man eine Undine ins Wasser wirft.
Die Undine bekommt erst dann eine Seele, wenn sie sich mit einem Menschen vermählt. Wie alle Nymphen ist sie zwar nicht unsterblich, hat aber eine höhere Lebenserwartung als gewöhnliche Sterbliche. Gebiert die Undine aus einer Ehe mit einem Sterblichen ein Kind, erhält sie mit diesem eine Seele und verliert ihre Unsterblichkeit. Dieser Aspekt führte zu dem populären Motiv, das häufig in der Romantik und tragischen Literatur Verwendung fand.
Einem untreuen Gatten bringt die Undine den Tod.“
Quelle: http://de.wikipedia.org/
„Undine“, eine Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué (1777–1843), erschienen 1811 gehört zu den volkstümlichen Kunstmärchen der Romantik. Im Nachwort zu seinen „Ausgewählte Werken“ weist der Dichter auf die unmittelbare Quelle (Paracelsus) hin. Die >>Wasserleutten<< (Nymphen, Undinen), die >>Bergleutten<< (Pygmäen, Gnome), >>Feuerleutten<< (Vulkane, Salamander)und >>Windleutten<<(Sylphen, Silvestres), sind übernatürliche Wesen, weder ganz Natur, noch ganz Geist. Sie sind mit allen menschlichen Eigenschaften ausgestattet, aber es fehlt ihnen die menschliche Seele. Nur die Elementargeister des Wassers können menschliche Gestalt annehmen. Undine ist ein solches Wesen. Heiratet ein Wassergeist einen Menschen, gelangt er in den Besitz einer Seele; er verliert sie indessen wieder, wenn sein Gemahl ihn unter Wasser beleidigt. Als Beweis führt Paracelsus eine Historie von der Nymphe im Staffberg an.
Fouqué berichtet in seiner Erzählung „von der schicksalhaften Liebe des schönen Meerfräuleins Undine zu dem jungen Ritter Huldbrand von Ringstetten, den das Wüten der entfesselnden Elemente zwingt, längere Zeit in der einsam gelegenen Fischerhütte am Ufer des Sees zu verweilen, wo die ungebärdige Undine bei alten Fischerleuten lebt. […] Der Ritter verliebt sich in die schöne Waise, die seltsame Beziehungen zu den Elementen unterhält. Die Elemente selbst, allem voran das Wasser, greifen in die Handlung aktiv ein, personifiziert in Geistern und Kobolden. Durch ihre Heirat weiß sich Undine endlich im Besitz einer menschlichen Seele, eine tiefe Wandlung geht in ihr vor: aus dem launenhaften, ungebrochenen Naturgeschöpf wird eine liebende und leidende Frau. Die seelenlose, naiv-unschuldige Natur verwandelt sich in schuldhaft-leidendes Menschsein. In dieser Metamorphose vollzieht sich – entsprechend der romantischen Naturphilosophie – der Bruch zwischen Geist und Natur, der Sündenfall der unbewussten Natur in die bewusste menschliche Existenz. Der Preis für die Seele ist das irdische Leid, ihr Lohn die Unsterblichkeit. Undines Geschichte unter den Menschen wird zu einer Leidensgeschichte. […] Nach der Hochzeitsnacht offenbart Undine ihrem Ritter die geheimnisvolle Welt der Elementargeister, der sie durch ihre Herkunft angehört. Das Walten der elementaren Mächte, verkörpert in dem polternden Wassergeist Kühleborn, Undines proteischen Oheim, greift immer wieder in die Geschicke des Paares ein. Die Natur wehrt sich dagegen, um den Preis menschlichen Leidens auf eine höhere Daseinsstufe gehoben zu werden. Undines Glück scheint dauerhaft und tief, bis Bertalda in ihr Leben tritt, die böse Gegenspielerin, deren Reizen Huldbrand verfällt. Kühleborn kann das Schicksal der zerbrechlichen und reinen Undine nicht aufhalten, sie muss zugrunde gehen, in einer unvollkommenen Welt des Leidens, die zu lieben verlernt hat. Bei einer Donaufahrt zu dritt geschieht, was als Kernmotiv schon bei Paracelsus angelegt ist: Huldbrand beleidigt seine Gemahlin auf dem Wasser; Undine verschwindet in den seufzenden Fluten. Aber auch den treulosen Huldbrand ereilt nach den Gesetzten der Elementargeister das Geschick, als er – seiner ins Geisterreich zurückgekehrten Gemahlin vergessend – Bertalda heiraten will. Undine tritt ein letztes Mal auf, um den untreuen Geliebten in ihrer Umarmung zu ersticken.“
Aus Kindlers Literatur Lexikon


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